Europäische Werte, Identität und Bewusstsein in Portugal

Portugal profitiert, ebenso wie die Staaten Osteuropas, besonders von der Europäischen Einigung und der Mitgliedschaft in der Europäischen Union, denn es ist ein eher strukturschwaches Land ohne große Industrie. Durch die Wirtschaftshilfen der Gemeinschaft hat es Portugal in den letzten Jahren geschafft, sein Wirtschaftswachstum deutlich zu steigern. Während der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009/2010 geriet das Land auf Grund seiner hohen Überschuldung jedoch wieder unter Druck. Die wirtschaftlichen Probleme gipfelten im Rücktritt José Sócrates vom Amt des Ministerpräsidenten im März 2011. Seit Einführung des Euro ist er auch in Portugal Zahlungsmittel. In den Jahren 2000 und 2007 hatte Portugal jeweils den halbjährlichen Ratsvorsitz der EU inne. Seit 2004 ist mit José Manuel Barroso ein portugiesischer Politiker Vorsitzender der Europäischen Kommission.

Die ehemalige Seefahrernation Portugal hat während des letzten Jahrzehnts einen großen Strukturwandel hinter sich. Vom agrarisch geprägten, rohstoffarmen Land, hin zu einer fortschrittlichen Wirtschaftsnation. Um diesen Prozess zu unterstützen wurden zahlreiche Reformen durchgeführt, die Steuern gesenkt und große Summen in die wirtschaftliche Entwicklung investiert, was maßgeblichen Anteil an der heutigen Staatsverschuldung hat. Portugal gehört daher im Moment zu den Ländern der Union, die von der Gemeinschaft stark gestützt werden müssen und ist das ärmste Altmitglied der EU.

Als ehemalige Kolonialmacht hat Portugal weiterhin intensive Beziehung zu den Ländern Mittel- und Südamerikas, gemeinsam mit Spanien fördert es die Ibero-Amerikanischen Gipfeltreffen. Hier übernimmt das Land weiterhin Verantwortung für seine ehemaligen Gebiete und fördert die gesellschaftliche und politische Entwicklung. Das Land ist Mitglied in der Lateinischen Union. Besonders als Wegbereiter der bilateralen Kontakte zwischen der EU und diesen Ländern tritt das Land positiv hervor. Ob die Portugiesen ein produktives Verhältnis zur europäischen Einigung entwickeln, ist in erheblichen Ausmaß davon abhängig, ob es dem Land gelingt den hohen Lebensstandard der Unionsmitglieder zu erreichen oder zumindest nicht weiter zurückzufallen.