Europäische Werte, Identität und Bewusstsein in Osteuropa

Osteuropa war schon immer ein Teil des europäischen Kulturkreises. Nur die Zeit des „Eisernen Vorhangs“ unter sowjetischer Führung sah die osteuropäischen Mitgliedsstaaten des Warschauer Paktes von den gesamteuropäischen Kulturtraditionen weit entfernt. Als die kommunistische Vorherrschaft ihr Ende fand, kamen auch die älteren Strukturen und Interessen wieder zum Vorschein. In den Köpfen der Menschen aber auch in den Regierungen hielten europäische Gedanken und Ziele wieder Einzug. Viele Experten sprechen sogar von einer osteuropäischen Renaissance. Man fand bestehende Strukturen westlicher Prägung, auf die die neuen Staatsformen und auch Gesellschaften aufbauen konnten. So wurden politische, rechtliche und auch wirtschaftliche Prinzipien neu aufgesetzt, die sich an denen der westlichen Nachbarn orientierten. Ein solcher Prozess dauert. Die Generationen, die im Westen und im Osten mit der europäischen Teilung groß geworden sind, hatten auf beiden Seiten ihre Zweifel. Doch die Zeit heilt – wie so oft – auch hier alle Wunden.

Heutzutage wissen immer mehr Menschen im Osten, dass die westlichen rechtsstaatlichen Prinzipien wie u.a. politische Freiheit oder die Demokratie auch ein Erfolg der eigenen Vorfahren sind. Denn an der Entstehung und Umsetzung dieser freiheitlichen Denkweisen haben auch die Staaten und Völker im Osten Europas mitgewirkt. Darüber hinaus sind inzwischen neue Generationen herangewachsen, welche die alten Kriterien von „Ost und West“ nicht mehr erlebt haben. Dies sind Menschen, die in Moskau die gleichen Musikvideos gucken wie in Paris oder London. Westliche Firmen haben sich in den Gebieten Osteuropas niedergelassen und der interkontinentale Handel zwischen allen Staaten nimmt immer mehr Fahrt auf. All dies führt zu einem neuen Verhältnis.  Insbesondere das Internet sorgte und sorgt für ein neues Bewusstsein, denn nirgendwo sonst können die Menschen sich so nah werden, wie in den Communitys und Social Networks unserer Zeit.